Samstag, 15. Dezember 2012

Asche und Phönix von Kai Meyer


Das aufwendig gestaltete Cover von Kai Meyers neuem Roman „Asche und Phönix“ ist das Erste, was den Leser dazu verleitet, die Hand nach diesem Buch auszustrecken. Befreit man es schließlich von seinem Schutzumschlag, kommt die erste Überraschung zum Vorschein, denn auch hier wurde mit viel Liebe zum Detail ein Layout entworfen. Als Thema wurde hier die Fotografie mit einer Polaroidkamera aufgegriffen, welche eine Rolle in der Geschichte spielt.

Zum Inhalt:
Die heimatlose Ash schlägt sich mit Diebstählen durchs Leben. Eines Tages wird sie von dem populären Jungschauspieler Parker Cale bei einem Einbruch in seiner Hotelsuite überrascht. Dieser liefert sie nicht etwa dem Sicherheitsservice aus, sondern bittet sie seinerseits um einen Gefallen. Da Parker soeben vor laufenden Kameras der Welt mitgeteilt hat, wie leid er seine Filmrolle als Magier und dem damit verbunden Erfolg ist, wünscht er sich, das Hotel unauffällig zu verlassen. Ash kommt dieser Bitte nach und plötzlich befinden sich beide in einem Strudel aus Gefahren und Widersachern. Der so harmlos begonnene Tag endet in einer Odyssee.


Auf Grund des Klappentextes wusste ich nicht, was genau ich von „Asche und Phönix“ erwarten kann. Ist es eine Liebesgeschichte? Fantasy oder real?
Der Auftakt ist ruhig und gibt noch keine weiteren Aufschlüsse. Von Anfang an gelingt es Kai Meyer den Leser durch seine bildhaften Ausführungen an die Geschichte zu fesseln. Ash ist ein Charakter, den man trotz ihrer kriminellen Handlungen schnell in sein Herz schließt. Sie begeht Ihre Diebstähle und Einbrüche nicht aus Berechnung, sondern aus purem Überlebenswillen, wobei sie bemüht ist, so wenig Schaden wie möglich anzurichten.
In Parker möchte man zunächst den vom Erfolg verwöhnten Schauspieler sehen, doch sehr schnell kristallisiert sich heraus, dass hinter dieser Fassade ein Mensch lebt, der den Ruhm einfach nur leid ist und langsam aber sicher daran zu Grunde geht.

Kaum haben die beiden ihre Flucht angetreten, beginnt sich die Geschichte zu drehen. Wie bereits beim Abnehmen des Schutzumschlags hat Kai Meyer auch beim Inhalt eine Überraschung parat, mit der man allein durch lesen des Klappentextes nicht unbedingt rechnen konnte. Aber wer bereits Werke des Autors kennt, konnte sicherlich erahnen, dass er auch dieses mal Fantasyelemente einbauen wird.
Grundsätzlich ist bereits zu jedem erdenklichen übersinnlichen Thema ein Buch verfasst worden, so dass es merkwürdig erscheinen muss, wenn ich hier von einer originellen Entwicklung spreche. Kai Meyer bedient sich dem ältesten aller dunklen Geschäfte – dem Pakt mit dem Teufel und erweckt nebenbei den ein oder anderen Zombie zu neuem Leben. Gerade in einer Zeit, in der Vampire, Werwölfe etc. das Buchangebot beherrschen brachte dies für mich den Reiz des Neuen mit sich.

„Asche und Phönix“ ist ein Jugendbuch. Ich kann es allerdings ohne Einschränkungen auch Erwachsenen empfehlen. Mehr noch, ich finde, es sogar maximal für ältere Jugendliche geeignet. Die dunklen Widersacher sind schaurige Gestalten, die jegliches Empfinden verloren haben. Ihre Gräueltaten sind wahre Blutbäder und der Autor schreckt vor der ein oder anderen detaillierten Schilderungen nicht zurück.
In all diesem Trubel erscheint es nahezu unvermeidlich, dass Parker und Ash sich verlieben. Dies wirkt jedoch nicht etwa konstruiert, sonder gliedert sich perfekt in das Geschehen ein. Die Gefühle des Paares werden authentisch dargestellt und lassen den Leser die beiden Protagonisten weiter ins Herz schließen.

Kai Meyer erzählt seinen Roman in einem rasanten Schreibstil. Atemlos fiebert man mit Ash und Parker mit und kann das Buch kaum aus der Hand legen. Mehr als einmal lehrt der Autor dem Leser das Fürchten und am Ende angekommen schnauft man gemeinsam mit den beiden Helden erschöpft durch.
„Asche und Phönix“ ist eins der letzten Bücher, die ich im Jahr 2012 gelesen habe – es ist ihm jedoch ein klarer Sprung in meine Top 10 Jahresliste gelungen. Jede der 464 Seiten hat mich gefesselt und begeistert und ich gebe eine absolute Leseempfehlung ab!
Abschließend ist noch zu erwähnen, dass der Erwerb des Buches einen kostenlosen Download des E-Books beinhaltet. Da ich keinen E-Book Reader besitze, habe ich dies nicht in Anspruch genommen. Generell sehe ich keinen rechten Sinn dahinter, dass Buch sowohl in gedruckter als auch in elektronischer Form zu besitzen – dennoch ein schönes Gimmick.

Donnerstag, 13. Dezember 2012

"Die Plantage" von Catherine Tarley

Amerika 1781. Die verwitwete Antonia Lorimer versucht verzweifelt ihre Plantage vor dem Ruin zu bewahren. In einer Zeit, in der Geschäfte eine reine Männerdomäne sind ein nahezu aussichtsloses Unterfangen. Wie der Zufall es will, findet sie eines Nachts einen verletzten Mann in ihren Stallungen. Obwohl der Verwundete schnell als englischer Soldat und somit als Feind enttarnt ist, pflegt sie ihn gesund und macht ihn anschließend zu ihrem Verwalter.

Ähnlich wenige Details verriet mir der Klappentext und so ging ich davon aus, dass es sich bei Catherine Tarleys Roman um eine Südstaatenschnulze auf über 800 Seiten handelt.
Tatsächlich hat das Buch allerdings eine weitaus breitere Themenvielfalt zu bieten, als man anfänglich vermutet. Man könnte sogar sagen, dass das inhaltliche Spektrum kaum ein mögliches Szenario auslässt. Von Krieg über indianische Medizinfrauen und Sklaverei bis hin zu einem psychopathischen Mörder ist hier alles vertreten.
Der integrierte Kriminalfall war wohl die größte Überraschung. Die Autorin spart nicht mit blutigen und brutalen Details und insbesondere gegen Ende sorgt die Suche nach dem Mörder für Spannung und beschleunigt das Lesetempo.

Worauf ich in diesem Roman jedoch vergeblich wartete war die große Liebesromanze. Sicherlich, Antonia und William Marshall gehen eine Beziehung ein und wie die zwei Königskinder fällt es ihnen schwer, zueinander zu finden.
Dennoch ist dies kein Schicksal, bei welchem man mit Tränen in den Augen mitfiebert. Zu kantig und emotionslos erscheint der Held William. Getrieben von Rachegelüsten vereinnahmt ihn die Suche nach seinen einstigen Peinigern. Es fällt ihm schwer, Gefühle zu zulassen und durch seinen harten Kern ist es auch für den Leser nicht einfach Sympathie für ihn zu entwickeln.
Auch Antonia empfand ich als einen etwas schwierigen Charakter, zu dem ich bis zuletzt keinen wirklichen Zugang fand. Sie ist nicht die starke Frau, wie man zuerst erwartet, keine zweite Scarlett O' Hara. Im Grunde ist sie eine hilflose Witwe, die stets auf die Hilfe Anderer angewiesen ist. Sei es William, ihr Banker Andy, ihr schwarzer Halbbruder Joshua oder ihr Kindermädchen Charlene. Immer sind es die Anderen, die ihr die Welt erklären und den Weg nach vorne ebenen.

Teilweise agieren die Protagonisten in einer Art und Weise, in der ich wirklich nicht anders konnte, als darüber den Kopf zu schütteln. Sowohl der Umgang mit Antonias Schwangerschaft als auch der verzweifelte Versuch aller Beteiligten den Mörder zu schützen wirken mehr als blauäugig.

Am Ende wartet die Autorin mit einem überraschenden Schluss auf, mit welchem ich nie und nimmer gerechnet hätte, welches Antonia allerdings einen weiteren Minuspunkt bei mir einbrachte.

Fazit
„Die Plantage“ ist auf Grund seiner Dicke eine Geschichte, die den Leser länger begleitet. Hier und da hätte eine Kürzung die Story schneller in Fahrt gebracht. Gerade zu Anfang tat ich mir etwas schwer, mich in das Buch zu vertiefen. Insbesondere gegen Ende, als der Fokus sich immer mehr auf das Wirken des Mörders verschiebt, wurde der Roman doch noch zu einem spannenden Leseerlebnis und ich blieb längere Zeit am Stück in der Geschichte hängen.
Die Autorin hat in jedem Fall die geschichtlichen Hintergründe gut recherchiert und die Problematiken seitens Geschlecht und Hautfarbe glaubhaft dargestellt. Ein umfangfreiches Glossar rundet die Erläuterungen ab.
Auch die optische Aufmachung ist gelungen und das stattliche Herrenhaus auf dem Cover lädt dazu ein, Damen in Reifröcken und Pferdekutschen vor dem inneren Auge entstehen zu lassen.

Für verschneite Winterwochenenden eine sicherlich nicht ganz verkehrte Leseempfehlung.


Sonntag, 9. Dezember 2012

Das grüne - nicht nur vegetarische - Kochbuch von Dagmar von Cramm


Im Rahmen der lovelybooks Testleserunde bekam ich „Das grüne – nicht nur vegetarische – Kochbuch“ von Dagmar von Cramm, wofür ich mich recht herzlich bedanken möchte.
Dies ist meine erste Kochbuchrezension. Ich finde es etwas schwierig, den passenden Zeitpunkt zu finden. Einen Roman lese ich von vorne bis hinten durch, aber wann ist ein Kochbuch-Test abgeschlossen? Mittlerweile habe ich einige Rezepte ausprobiert, so dass ich mir einen ersten Eindruck verschaffen kann.

Das Anliegen
Das grüne Kochbuch wirbt damit, dem Käufer bei seinem Bestreben möglichst ökologisch einzukaufen und zu kochen zu unterstützen. Zur Einführung befasst sich die Autorin auf je einer Doppelseite mit den Sparten der Ernährung (Gemüse, Obst, Kartoffeln, Getreide und Backwaren, Fleisch, Milch- und Milchprodukte, Eier, Fisch, Nüsse und Soja) und analysiert deren Wert für die Gesundheit des Menschen sowie wie grün deren Verzehr und Verwendung ist. Des Weiteren gibt sie Tipps, zu einem möglichst ökologischen Einkauf der Lebensmittel.
Auch Energiesparmaßnahmen beim Kochen sowie sinnvollen Resteverwertung und die Vermeidung von Abfällen finden Raum in diesem Buch.

Nach den allgemeinen Tipps gliedert sich das Kochbuch in vier Kapitel entsprechend der Jahreszeiten. Nach einer kurzen Einführung über die jeweiligen saisonalen Lebensmittel folgen zahlreiche Rezepte.

Die Aufmachung
Das grüne Kochbuch wartet mit sehr schön angerichteten und ansprechenden Fotos der Speisen auf. Aufnahmen von Blumen und Dekorationen runden das Gesamtbild ab. Es ist in jedem Falle ein Buch, welches man gerne zur Hand nimmt und durchblättert.

Rezepte
Von Suppen über Salate bis hin zu Hauptgerichten und leckeren Desserts ist hier alles zu finden. Egal ob alltagstauglich oder festlich.
Die von mir ausprobierten Rezepte sind mir alle gut gelungen und haben mir größtenteils gut geschmeckt. Die Mengenangaben war zutreffend. Das Kochbuch bereichert den Speiseplan durch ungewöhnliche Kombinationen wie z. B. Lasagne mit Rote Beete, Kartoffelauflauf mit Birnen oder Gemüsegratin mit Quark. Das Buch ist eine wahre Fundgrube dieser Zutatenmixe.

Allgemeines
Das Kochbuch trägt den Untertitel – nicht nur vegetarisches Kochbuch. Dies assoziierte bei mir, dass es sich überwiegend um vegetarische Rezepte handelt. Entsprechend enttäuscht war ich, als ich nach dem ersten Durchblättern feststellte, dass das Buch doch sehr viele tierische Gerichte beinhaltet, inklusive einiger Aufnahmen von im Stück gebratenen Fischen und Gänsen, was ich als Vegetarier äußerst abstoßend finde.
Die Rezeptauswahl ist für mich das größte Manko des Kochbuches. Für Vegetarier ist ungefähr 1/3 der Gerichte kochbar, weswegen ich es mir selber nicht gekauft hätte. Unter den verbleibenden Rezepten konnte ich allerdings sehr viele mit einem Post-it als für mich interessant markieren. Zu dem ist es als positiv zu werten, dass die Gerichte ohne die Anschaffung spezieller Zutaten und Gewürze auskommen und alles leicht zu bekommen bzw. bereits vorhanden ist.

Abschließend kann ich sagen, dass ich das „Grüne Kochbuch“ Nicht-Vegetarieren ohne Einschränkungen weiterempfehlen kann. Vegetariern würde ich – auf Grund des Preise und der begrenzten Auswahl – doch eher davon abraten.